22 September 2010

20 September 2010

40 Years Without Jimi Hendrix


"Man opfert, was man liebt", war sein Credo. Vor 40 Jahren war es sein Leben, das der Gitarrist Jimi Hendrix der Musik gab.


Wohin man im Konzertsommer 2010 auch kam, er war schon da: Der Veteran stand bei den Kassenhäuschen, schwankte stark und schimpfte: „Geht wieder nach Hause! Ist doch alles Schrott!“ Die Gäste freuten sich über den alten Mann mit seinen schlechten Zähnen und verfilzten Haaren, wenn er eine Bierflasche erhob oder die Fäuste schüttelte und „Fehmarn!“ brüllte. Unablässig: „Fehmarn! Ich hab ihn gesehen! Und ihr nicht, ihr armen Schweine!“

Am 6. September 1970 hatte Jimi Hendrix auf der Ostseeinsel Fehmarn ein Konzert gegeben, und zwölf Tage später war er tot. Vielleicht war das Faktotum von Berlin einer der Letzten, der ihn lebend musizieren sehen durfte. Unser Zeitzeuge könnte tatsächlich 1970 aus dem Zelt gekrochen und seit damals unterwegs sein, um die Menschheit daran zu erinnern, dass es immerhin in der Musik einen Messias gab. Vielleicht hat der krakeelende Kulturkritiker sogar recht mit seiner Kundgebung gegen die Rockmusik nach Hendrix. Jimi Hendrix hat nicht nur die Rockmusik vollendet, sondern auch die Welt nach ihrem letzten großen Krieg in Ansätzen befriedet.

Seinen letzten Festival-Auftritt hatte Jimi Hendrix auf der Ostseeinsel Fehmarn beim Love-and-Peace-Festival am 6. September 1970.
 
Es gibt ernst zu nehmende Apostel, die sein Erdendasein als Passionsgeschichte schildern: Geboren am Vorabend des 1. Advents 1942 wächst er in einer Sozialwohnung in Seattle auf. Der Vater kämpft im Krieg, die Mutter kümmert sich um ihr Vergnügen. So kann sich der Junge frei entfalten, sich dem Blues zuwenden und auf Besen musizieren, linkshändig, dann auch auf billigen Gitarren. Darauf, dass ihn mütterlicherseits etwas Indianerblut durchströmt, ist er als Schwarzer stolz. Die Mutter heißt Lucille, und als sie 1958 stirbt, singt Little Richard: „Lucille, please come back where you belong.“ Der ehrgeizige Gitarrist vernimmt die Botschaft.


1965 landet er in Little Richards Band. Zuvor war er beim Militär, bei der berühmten Fallschirmspringer-Einheit, die bereits die Landung in der Normandie gesichert hatte, wurde aber wegen vorgetäuschter Homosexualität entlassen. Er spielte in Nashville für die Isley Brothers, Otis Redding und Solomon Burke, die über seine mangelnde Disziplin beim Spielen die Köpfe schüttelten. Er eifert also Little Richard nach, verlässt ihn und stößt das Idol vom Sockel, als er in New York mit seiner eigenen Band, als Jimmy James & The Blue Flames, auftritt.

Er träumt in Klängen. Keusch lebt Jimi Hendrix keineswegs, er bannt die Sünde durch Musik. Seinen Gitarren gibt er Mädchennamen. In New York trifft er die Freundin von Keith Richards, Linda Keith, die ihn der britischen Musikszene zuführt. In London schenkt ihm eine Hure seine erste weiße Fender Stratocaster. Feste Freundinnen besingt er, Kathy oder Mary, seine „Foxy Lady“ oder seine Windbraut. Im November 1966 wird das Publikum in München Zeuge, als er die Gitarre erst liebkost und dann misshandelt. Er zertrümmert sie, weil ihn der unerhörte Sound dabei erregt, weil er seine Gitarre liebt. Die Anwesenden sind begeistert und verwirrt.

Im Jahr darauf, beim Festival in Monterey, salbt ihn Brian Jones zum König, und der König bettet die Gitarre nach dem neunten Song „Wild Thing“ auf die Bühne übergießt sie mit Benzin, zündet sie an und lässt sie weinen. Später sagt er: „Als ich meine Gitarre verbrannte, war das ein Opfer. Man opfert Dinge, die man liebt.“ Die Rockmusik der Nachkriegszeit zähmt die Gewalt. Und Jimi Hendrix führt den Friedensfeldzug an, nachdem sich Elvis als G.I. davonstahl und während Bob Dylan mit seiner elektrischen Gitarre als Verräter gilt.

In Uniformen aus der Kolonial?zeit tritt er auf, erzeugt mit der Gitarre Kriegslärm und verwendet dazu die Verstärker und Geräte, die es ohne Rüstungsforschung nie gegeben hätte. Oder wie sein deutscher Biograf Klaus Theweleit erklärt: „Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte sich der Droge Blutrausch verschrieben. Die Zentraldroge der Sechziger – Music is the Healing Force of the Universe – verschob die politische Szenerie komplett. Resultat war eine Generation, die nicht primär nach Tötungen verlangte.“ Man verlangt nach einer höheren Musik, die mehr verspricht als Weltflucht und Erbauung.

Musiker werden vergöttert in den Sechzigerjahren. Eric Clapton wird an Londoner Hauswänden als Göttervater angehimmelt. Jimi Hendrix taucht vor Clapton auf, er spielt ihm „Killing Floor“ vor und löst ihn in beiderseitigem Einvernehmen ab. Am Tag, als „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ erscheint, das Album, das den Höhepunkt der Beatlemania markiert, spielt Hendrix „Sgt. Pepper“ abends im Saville Theatre auf seiner Gitarre. Was er da so spielt, ist bereits mehr als Rock- und Popmusik. Es sind Erlösungsklänge, „3rd Stone From The Sun“ und „Voodoo Chile“: Wer möchte, hört darin eine Art Himmelreich, wo es kein arm und reich mehr gibt, kein gut und böse und kein schwarz und weiß.

 
 
Er opfert, was er liebt


In Woodstock wagt sich Hendrix an das Heiligtum der weltpolitischen Gebrauchsmusik, die Nationalhymne Amerikas. Er opfert wieder, was er liebt. Auch die Musik kennt Grenzen. Jimi Hendrix ist beim weißen Rauschen angelangt, mit „Purple Haze“ beim Tritonus, im Studio bei den Möglichkeiten seiner Rhythmusknechte, auf der Bühne bei der Umsetzung seiner Experimente. Seine Zuschauer wollen ihn nur noch mit der Zunge und den Zähnen spielen sehen.

1970 tritt er seine letzte Reise an. In Berkeley trägt er zum Abschied ein Libellenkostüm. In Seattle besucht er die Sozialsiedlung, aus der er stammt. New York verlässt er mit den Worten: „Fuck you! And good night.“ Die Bühne auf der Isle Of Wight brennt nieder, und in Aarhus drehen ihm die Techniker den Strom ab. Am 4. September in der Deutschlandhalle in Berlin zerstört er „Sunshine Of Your Love“ von Eric Clapton; das Berliner Publikum, das ihn im Jahr zuvor noch im Sportpalast gefeiert hatte, schmähte ihn mit Buhs und Pfiffen. Das Konzert auf Fehmarn endet damit, dass es stürmt und regnet und die Ordnungskräfte mit den Einnahmen des letzten Auftritts türmen. Hendrix widmet das Stück „Angel“ seiner Mutter, er verspricht ihr: „Tomorrow I’m gonna be by your side.“

Am 18. September 1970 liegt der Rockstar tot im Londoner Samarkand Hotel im Bett, erstickt an seinem Mageninhalt, 27 Jahre alt wie alle Frühvollendeten. Aber je zeitiger jemand verschwindet, umso länger bleibt er. Man wäre zu seinen Lebzeiten nur gern dabei gewesen.

Von Michael Pilz

01 September 2010

W.A.R is over


Das vierte Volume der Hot Rod and Art Show ist letztes Weekend in Weil am Rhein über die Bühne gegangen.


Obwohl Petrus seine Regeneinsätze nicht zurückhielt, kamen zahlreiche Besucher aus ganz Europa. Am Freitagabend läuteten die Bands (Dodge City Hellpigs, Final Prayer und Settle the Score) den ersten Abend der Show ein. Alle die sich nicht vorstellen konnten, dass Hardcore- und Punk Bands an einer solchen Veranstaltung spielen, standen schlussendlich vor der Bühne. Ja, es war anders, um es kurz zu fassen, es war GRANDIOS!

Der Samstag startete relativ früh. Als ich um 12.00 auf das Gelände kam, war die Halle mit dem Alteisen bereits voll. Schöne Kustoms wie der 50er Pickup der Butchers oder der neu gebaute Hot Rod des neusten Mitglieds Christian, der Road Devils Europe. Es gab Vieles für das Auge. Die Leute tummelten sich an jeder Ecke, an den Merchandise Ständen, beim Tätowierer, in der Galerie von Spooky Sally oder an der Bar. Die zwei amerikanischen Gäste waren so nah wie ich noch nie an einer anderen Show erlebt habe (aber für das ist die Hot Rod and Art Show mittlerweilen bekannt): Lil Daddy Roth rannte den ganzen Tag mit seinem Zylinder auf dem Kopf durch die Gegend. Er airbrushte so ziemlich alles was ihm in die Finger kam. Auch Steve Caballero und seine Frau Rachael waren allzeit bereit über Kunst, Schmuck, Hot Rods, Kustoms und Gott und die Welt fachzusimplen.

Die Bands vom Samstag eröffneten den Abend. Die Monofones, Denner Clan und The Jackets legten eine atemberaubende Show hin. Zwischen der Bühnenpräsenz der Bands wurden auf einer anderen Bühne zwei Burlesque Shows aufgeführt, die jedes Jahr mehr und mehr dafür sorgen, dass bei den meisten Männern nach der Show einen totalen Testosteronkollaps diagnostiziert werden darf. Auch an diesem Abend wurde bis früh in die Morgenstunden gefeiert.

Ein grosses Dankeschön an:

Road Devils Europe CC, Smokin' Shutdown, EDWIN, Thom Piston, Deniz und Kevin

Wir freuen uns schon jetzt auf W.A.R 2011, dass gleichzeitig das 10jährige vom Hot Rod und Kustom Magazin Smokin' Shutdown sein wird.

P.S. Photos sind in Bearbeitung, Mathias unser Photograph ist erst gestern aus dem Koma erwacht. ;-)